Zwischen Krankheit und Gesundheit?

Es gibt Krankheiten, die nur in bestimmten Ländern oder Kulturen existieren – auch wenn die WHO sich bemüht, in der „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“ eine allumfassende Abbildung aller real existierenden und aller erdenklichen menschlichen Krankheiten und damit zusammenhängender Gesundheitsstörungen zu schaffen.

Manche Krankheiten werden nur in manchen Teilen der Welt als (Gesundheits-)Probleme angesehen, während sie in anderen Ländern/Kulturen als normal oder vielleicht sogar als idealtypisch gelten.

Beispiele für stark kulturell geprägte körperliche und gesundheitliche Phänomene, die insbesondere in Ländern der nördlichen Hemisphäre aufgrund funktioneller Auswirkungen in der Regel als „krankhaft“ angesehen werden würden, sind Steatopygie und in Verbindung dazu Pygophilie, Tellerlippen, und andere.

Verschiedene Formen sexueller Orientierung oder Substanzgebrauch und Abhängigkeit) werden je nach kulturellem Kontext (auch historischem Kontext) sehr unterschiedlich in Bezug auf „Krankheit oder Gesundheit“ eingeordnet.

Ein, im Gefolge der „Corona-Pandemie“ viel diskutiertes Phänomen ist das so genannte „Chronische Erschöpfungssyndrom oder chronische Müdigkeitssyndrom“ (mit den teils synonym verwendeten, teils abgegrenzten Störungen unter den Bezeichnungen „Myalgische Enzephalomyelitis“ oder „Postvirales Müdigkeitssyndrom“.

Diese Gesundheitsstörung ist in der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ nach Meinung der meisten Experten unter dem Code G93.3: Chronisches Müdigkeitssyndrom / Chronic fatigue syndrome zu verschlüsseln.

Allerdings gibt es nach wie vor eine relevante Anzahl von Experten, die dieses Gesundheitsproblem in der deutschen Version der ICD-10 unter dem Schlüssel „F48.1“ (Neurasthenie) richtig eingeordnet sehen. Entsprechendes war noch Anfang-Mitte 2023 auf den Webseiten der Universitätsmedizin Mainz zu lesen gewesen, unter der Überschrift „Chronisches Erschöpfungssyndrom (Neurasthenie)“; der Artikel wurde aber mittlerweile entfernt und ist auch im Archiv der Universitätsmedizin Mainz nicht öffentlich einzusehen.

Das altehrwürdige Medizinlexikon „Pschyrembel“ führte bis vor kurzem unter dem Eintrag „Neurasthenie“ das „chronische Müdigkeitssyndrom“ als ein Synonym auf; mittlerweile wird es jedoch zu den „Differentialdiagnosen“ gezählt.

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