H.E.L.P.-Apherese bei Gleichgewichts- und Gehör-Problemen

Bei der H.E.L.P.-Apherese handelt es sich um ein selektives Apherese-Verfahren, bei dem pathogene Substanzen gezielt aus dem Plasma entfernt werden. Eine wissenschaftliche Theorie ging früher davon aus, dass die Methode besonders gut zur Behandlung von Durchblutungsstörungen in kleinen Gefäßen und zur Besserung von hierdurch bedingten Störungen des Gleichgewichts- und Gehörs geeignet sein könnte.

Wissenschaftliche Datenlage (Evidenz)

Die Evidenz für den Einsatz der H.E.L.P.-Apherese und anderer Apherese-Verfahren bei Gleichgewichts- und Gehör-Problemen wie SchwerhörigkeitTinnitus und Hörsturz wurde durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bewertet. Dabei kam der G-BA zu dem Schluss, dass den geprüften wissenschaftlichen Veröffentlichungen kein valider Nachweis des Nutzens der Apherese in diesen Indikationen zu entnehmen war.

Konkret hieß es in dem so genannten HTA-Bericht (Health Technology Assessment) des zuständigen Arbeitsausschusses des G-BA:

Bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen handelt es sich vor allem um die der Arbeitsgruppe Suckfüll et al.(3) , aus denen jedoch kein valider Nachweis des Nutzens geführt werden konnte. […] Nach detaillierter Beratung der Unterlagen und ihrer Auswertung kommt der Ausschuss zu der einvernehmlichen Auffassung, dass der Nutzen der Apherese (hier synonym Rheopherese) bei dieser Indikation vor dem Hintergrund der ungenügenden Datenlage nicht als belegt gelten kann. Eine Aufnahme in die vertragsärztliche Versorgung wird abgelehnt.

Nach Abschluss der Beratungen des G-BA zu den Apherese-Methoden wurden noch weitere wissenschaftliche Publikationen zum Einsatz der Apherese bei Schwindel, Tinnitus, Hörsturz oder Morbus Menière veröffentlicht:

Im Rahmen des so genannten “HTA-Programms” des (jetzt in das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) integrierten) DIMDI wurde im Jahr 2006 ein HTA-Bericht mit dem Thema “Therapie des unspezifischen Tinnitus ohne organische Ursache” erstellt. Dieser HTA-Bericht kam zu dem Schluss, dass keine wissenschaftlichen Belege für eine effektive Therapie bei Schwerhörigkeit als Folge eines zurückliegenden Hörsturzes existierten.

Eine 2009 publizierte randomisierte kontrollierte Studie, die als so genannte “Nicht-Unterlegenheits-Studie” angelegt war, konnte immerhin zeigen, dass die Apherese der konventionellen Therapie – bei dem gewählten statistischen Sicherheitsfaktor – nicht signifikant unterlegen war (Mösges et al. 2009). Aufgrund der Konzeption der Studie als “Nicht-Unterlegenheits-Studie” konnte eine Überlegenheit der Apheresetherapie gegenüber einer konventionellen medikamentösen Therapie mit Kortikosteroiden oder einer Hämodilutionstherapie allerdings nicht bewiesen werden. In der Studie wurden zwei schwerwiegende unerwünschte Ereignisse bei einem Apherese-Patienten dokumentiert und insgesamt traten acht von zehn unerwünschten Ereignissen in der Apherese-Gruppe auf.

An der HNO-Universitätsklinik Leipzig war 2007 eine Studie zur H.E.L.P-Apherese bei Hörsturz-Patienten unter Leitung von Prof. Andreas Dietz begonnen worden, über die in in einer Pressemitteilung der Uniklinik vom 1.03.2007 unter dem Titel “Neuer Therapieansatz bei Hörsturz” berichtet worden war.

Eine Recherche zu den Ergebnissen dieser Studie führte zu einer Dissertation aus dem Jahr 2014, in der zwei verschiedene Apherese-Ansätze beim Hörsturz miteinander verglichen wurden (Hagemeyer. Fibrinogen und LDL-Apherese zur Behandlung des akuten Hörturzes im Vergleich zur Standardtherapie nach Stennert. Dissertation. Medizinische Fakultät der Universität Leipzig; 2014.)

Die Ergebnisse dieser Dissertationsarbeit wurden auch auf der 84. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. vorgetragen (Die Behandlung des akuten Hörsturzes. Ein Vergleich der H.E.L.P.-Apherese mit der Stennert-Therapie an 200 Patienten. Meeting abstract.).

Insgesamt ergibt eine aktuelle Recherche in der Medline/PubMed-Datenbank folgende Ergebnisse für die Apherese-Indikationen Schwindel, Tinnitus, Hörsturz oder Morbus Menière:

Quellen, Sonstiges Material

  • Therapeutische Hämapheresen (selektive Verfahren mit Plasmadifferentialtrennung).  Zusammenfassender Bericht des Arbeitsausschusses “Ärztliche Behandlung” des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Beratungen gemäß §135 Abs.1 SGB V. 25.07.2003.
  • Finger RP, Gostian AO. Apheresis for idiopathic sudden hearing loss: reviewing the evidence. J Clin Apher. 2006 Dec;21(4):241-5.
  • Mösges R, Köberlein J, Heibges A, Erdtracht B, Klingel R, Lehmacher W; for the RHEO-ISHL Study Group. Rheopheresis for idiopathic sudden hearing loss: results from a large prospective, multicenter, randomized, controlled clinical trial. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2009;266(7):943-53.

Cross-references

Links to

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